Serie, Teil 4 anlässlich des Gedenkens zum internationalen Holocaustgedenktag: „Jüdisches Leben in Deutschland“

27.01.2022


Serie, Teil 4 anlässlich des Gedenkens zum internationalen Holocaustgedenktag: „Jüdisches Leben in Deutschland“
Maxim Ganushevich (Q1) bei der Eröffnungsveranstaltung (im Hintergrund Frau Prange)

Liebe Besucherinnen und Besucher der MCG-Homepage,

wie Sie und ihr dem vorangegangenen Leitartikel bereits entnehmen konnten/ konntet, möchten wir Ihnen und euch nach der Eröffnungsveranstaltung am Samstag die Einzelbeiträge in einer kleinen Serie ans Herz legen, denn – ganz bewusst gewählt – findet die Doppelausstellung „Jüdisches Leben in Deutschland“/ „Jüdische Nachbarn“ in der letzten Januarwoche statt – der Woche, in der international und weltweit am 27.01. an die unfassbaren Verbrechen des Holocaust erinnert und all der Millionen Opfer jüdischen Glaubens gedacht wird.

Maxim Ganushevich, Schüler der Q1, trug aus der Rede Dr. Josef Schusters vor, des Präsidenten des Zentralrates der Juden:

„Sehr geehrte Damen und Herren, auch ich möchte Sie ganz herzlich zur Eröffnung dieser Plakatausstellung über das vergangene sowie gegenwärtige jüdische Leben willkommen heißen. Letztes Jahr 2021 hielt der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, eine Rede. Darin spricht er von Freude anlässlich des Festjahres – ich möchte Ausschnitte zitieren, und zwar nicht nur deshalb `zitieren´, weil ich keine treffenderen Worte finde, sondern vor allem, um Ihnen ein authentisches und verlässliches Bild der aktuellen Umstände vorzustellen.

>>[…] Es ist die Freude darüber, dass wir ein ganzes Jahr lang die Möglichkeit haben, ein breites Publikum mit der jüdischen Kultur und Tradition vertraut zu machen. Mit dem jüdischen Leben, das schon seit vielen Jahrhunderten in deutschen Landen beheimatet ist. […] Die Schattenseiten der jüdischen Geschichte in Deutschland auszublenden, wäre falsch. Wir werden keine Jubelarie aus diesem Festjahr machen. […] Allein anhand lokaler Zeugnisse gibt es überall in Deutschland die Möglichkeit, sich über die deutsch-jüdische Geschichte zu informieren. Wir müssen jedoch leider feststellen, dass das Wissen in der Bevölkerung über die jüdische Vergangenheit und Gegenwart sehr gering ist. Mangelndes Wissen über eine bestimmte Gruppe von Menschen, vor allem über eine Minderheit, führt jedoch fast immer zu Vorurteilen. Dieses Phänomen mit all seinen schrecklichen Folgen zieht sich wie ein roter Faden durch die deutsch-jüdische Geschichte. Auch heute noch gilt: Selbst wer persönlich noch nie einen Juden getroffen hat, wer sich für das Judentum eigentlich gar nicht interessiert, kennt antisemitische Vorurteile. Sie werden von Generation zu Generation weitergegeben – und sie halten sich umso besser, je weniger man über Juden weiß. Dagegen müssen wir angehen. […] Wenn quer durch die Gesellschaft“ – und ich selbst möchte ergänzen: in den Schulen – „gezeigt wird, wie vielfältig jüdisches Leben ist, wenn Juden nicht länger als fremd empfunden werden, dann können wir erreichen, dass manches Vorurteil über Juden endlich ein für alle Mal verschwindet.<<

Ich persönlich finde, diese Rede führt sehr klar vor Augen, wie wichtig es ist, sich bewusst mit der deutsch-jüdischen Geschichte auseinanderzusetzen, vor allem mit ihren Schattenseiten. Denn nur so können wir verstehen, wo antisemitische Vorurteile herkommen. Gerade weil diese Unwissenheit, die auch heute noch zu Ablehnung und Hass führt, so tief in der Vergangenheit verwurzelt ist, lässt sich dieses Problem nicht von heute auf morgen lösen. Aber jeder einzelne von uns kann einen Beitrag für ein aufgeklärtes, respektvolles und gleiches Zusammenleben leisten, was uns schließlich alle einen Schritt näher an eine Zukunft ohne Vorurteile bringt. Wie Sie sehen können, ist der Zeitpunkt dafür genau jetzt. Mein Biologie-Lehrer sagt immer, dass wir in einer Zeit leben, in der es noch nie so einfach war, sich frei zu informieren und zu lernen. Das sollten wir dementsprechend auch sinnvoll nutzen, was ich gerne an Sie weitergeben würde – nicht nur für die heutige Veranstaltung, sondern auch darüber hinaus. Passend dazu beendet Herr Dr. Schuster seine Rede mit folgenden Worten: >>Ich bin optimistisch! […]<<„

Mit diesen Worten möchten wir unsere kleine Serie beschließen. Die Hoffnung auf ein respektvolles und friedliches Miteinander in Toleranz und gegenseitiger Achtung lebt – wir alle sind deutlich gefragt, für diese Werte einzutreten und zu handeln.

Eure und Ihre MCG-Schulgemeinschaft in Kooperation mit dem Arbeitskreis Erinnerungskultur/ Bürgerstiftung Förderturm Bönen

 

Stand vom 27. Januar 2022, um 20:31 Uhr.