Pädagogik

Beschreibung

Die folgende Übersicht solle eine erste Orientierung darüber geben, was im Fach Pädagogik eigentlich behandelt wird. Da das Fach erst ab der EF angeboten wird, hat man normalerweise nur recht vage Vorstellungen davon, was sich hinter dem Begriff „Pädagogik / Erziehungswissenschaften“ verbirgt.

Mitglieder

Vorsitz Stellv. Vorsitz Mitglieder
Herr Graas Frau Schettler Herr Graas, Herr Reinhards, Frau Schettler, Frau Weigl (StRef')

Lehrplan

Grundsätzlich befasst sich das Fach mit verschiedenen Teilbereichen der Entwicklung vom Säugling zum Erwachsenen, teilweise sogar mit der Entwicklung bis ins hohe Alter. Der Schwerpunkt liegt aber auf der Entwicklung bis zum Erwachsenen. Dabei ist besonders interessant, dass man als Schüler/in natürlich noch mitten in dieser Entwicklung steckt und sich so tatsächlich häufig Verbindungen zu eigenen Erfahrungen ziehen lassen. So kann man sich selbst und auch das Verhalten von Anderen häufig aus neuer Perspektive betrachten und besser verstehen. Eventuell kann man dann auch mit wissenschaftlicher Unterstützung besser die eigenen Interessen (gegenüber Eltern, Lehrern und anderen Erziehenden) vertreten.

Wir beziehen dabei die für den pädagogischen Bereich interessanten Erkenntnisse verschiedener Wissenschaften mit ein (Soziologie, Psychologie,(Neuro-)Biologie, Verhaltensbiologie, Anthropologie, Sprachwissenschaft, Geschichte,…)

Vorab sollen einige recht weit verbreitete Voruteile angesprochen werden:

  • ja, wir beziehen recht häufig auch eigene Erfahrungen mit ein, aber wir sitzen nicht die ganze Zeit nur rum und erzählen irgendwelche Geschichten
  • die Auseinandersetzung mit (teilweise durchaus anspruchsvollen) wissenschaftlichen Texten und Theorien ist bei vielen Themen Grundvoraussetzung, um qualifiziert und fundiert die Praxis (→ d.h. auch die eigenen Erfahrungen) analysieren, verstehen und bewerten zu können
  • nein, leider können wir nur selten unsere neuen Erkenntnisse an echten Kindern ausprobieren (Welche Eltern würden das schon wollen?), aber an einigen Stellen ergibt sich doch die Gelegenheit zu Experimenten, Umfragen und Interviews
  • nein, das Fach ist nicht ausschließlich für Mädchen… (männliche Teilnehmer sind zwar meistens in der Minderheit, aber einige sind immer dabei)

Die Inhalte und verschiedenen Schwerpunkte werden hoffentlich in der folgenden Übersicht klar. Wenn nicht, kann man sich mit genaueren Fragen bei der Info-Veranstaltung zu den Kurswahlen oder auch sonst in der Schule bei uns Fachlehrern (Frau Schettler, Herr Reinhards, Herr Graas) erkundigen.

Einführungsphase:

Hier geht es um grundlegende Fragen, Inhalte und Bereiche des Faches, die anhand folgender Themenbereiche angesprochen werden. Wenn man das Fach in Erwägung zieht, um es evtl. mit ins Abitur zu nehmen, empfiehlt es sich es bereits hier schriftlich zu wählen, damit man weiß, worauf man sich einlässt… In der EF wird eine Klausur pro Halbjahr geschrieben.

Thema 1:

Der Mensch wird zum Menschen nur durch Erziehung“ – Erziehungsbedürftigkeit und Erziehungsfähigkeit

  • Wodurch unterscheiden sich Mensch und Tier?
  • Ist der Mensch auf Erziehung angewiesen?
  • Was passiert, wenn er keine Erziehung erhält? (Wolfskinder)
  • Erste Auseinandersetzung mit pädagogischen Fragestellungen und Arbeitsweisen

Thema 2:

Stilvoll erziehen“ – Erziehungsstile

  • Verschiedene Erziehungsstile im Vergleich (laisser-faire, autoritativ, demokratisch, überbehütend)
  • Kennzeichen dieser Stile, Konsequenzen für das Kind

Thema 3:

Die Gesellschaft erzieht mit“ – Erziehung und Bildung im Verhältnis zu Sozialisation und Enkulturation

  • Am Beispiel der Geschlechtsrollen werden verschiedene Einflussfaktoren neben dem bewussten Erziehungshandeln (Sozialisation durch Gesellschaft, Enkulturation, Medien) aufgezeigt

Thema 4:

Früher und heute – hier und da“ – Erziehung im historischen und kulturellen Kontext am Beispiel der Erziehung in den 50er Jahren

  • Welche Ziele werden in der Erziehung verfolgt? Gehorsam oder freier Wille?
  • Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Erziehungszielen zu verschiedenen Zeiten und in unterschiedlichen Kulturen

Thema 5:

Lernen – Was ist das überhaupt“ – Lernen im pädagogischen Kontext

  • Arbeit mit Fallbeispielen
  • Unterschiedliche Lerntypen
  • Einfluss des pädagogischen Handelns auf Lernprozesse

Thema 6:

Ist das Gehirn eine Blackbox?“ – Behaviouristische Lerntheorien

  • Einfluss verschiedener Lerntheorien (klassische und operante Konditionierung) auf pädagogisches Handeln
  • Auseinandersetzung mit der Durchführung von Experimenten zur Erkenntnisgewinnung

Thema 7:

Lernen von Modellen“ – Die Bedeutung von Vorbildern in der Erziehung

  • Einfluss auf pädagogisches Handeln
  • Modelllernen und Gewalt (Einfluss von Medien bei der Entwicklung von Gewaltbereitschaft)

Thema 8:

Lernen als selbstgesteuerter und konstruktiver Prozess“ – Pädagogische Aspekte von Neurobiologie und Konstruktivismus

  • Selbststeuerung und Selbstverantwortung in Lernprozessen
  • Biologische und erkenntnistheoretische Grundlagen des eigenverantwortlichen Lernens

Qualifikationsphase 1:

Ab hier zählen die Ergebnisse für die Qualifikation zum Abitur und wer das Fach (vielleicht) als Abiturfach wählen möchte, muss ab jetzt auch Klausuren schreiben (aber das gilt für alle Fächer…). Ab hier auch Aufteilung in Leistungs-(5 Wochenstunden) und Grundkurs (3 Wochenstunden): Der Leistungskurs behandelt prinzipiell die gleichen Inhalte wie der Grundkurs, hat aber noch einige zusätzliche Themen und geht insgesamt mehr in die Tiefe. Die Reihenfolge der Themen innerhalb der Jahrgänge dient zur Orientierung, ist aber noch anpassbar. Es kann aber nicht zwischen Q1 und Q2 geschoben werden, damit bei Wechsel der Vorgaben für das Zentralabitur sichergestellt ist, dass auch Wiederholer alle notwendigen Themen bearbeitet haben.

Thema 1:

Jedes Kind ein Einstein?“ – Fördern, fordern, überfordern mit Blick auf das Modell der kognitiven Entwicklung nach Piaget

  • Einfluss von (genetischer) Begabung und Umwelteinflüssen
  • Kann jeder alles lernen oder welche Rolle spielen eigene Vorlieben und Entscheidungen?
  • Wie denken Kinder? Entwicklung von kognitiven Denkstrukturen in der Kindheit
  • Ab wann können Kinder abstrakt denken? Was heißt das für die pädagogische Arbeit in Kindergarten und Schule?

Thema 2:

Vom „Wie du mir, so ich Dir“ zur Goldenen Regel“ – Werteerziehung mit Blick auf das Modell moralischer Entwicklung nach Kohlberg

  • Wie entwicklen sich Wertvorstellungen und die Einschätzung was „gut“ und was „böse“ ist?
  • Verschiedene Modelle zur Moralerziehung
  • Wie entwickelt man ein eigenständiges moralisches Urteil?
  • Wie lässt sich das fördern und welcher Zusammenhang besteht zur Entwicklung einer Demokratiefähigkeit?

Thema 3

Lust und Frust“ – Eine pädagogische Sicht auf Modelle psychosexueller und psychosozialer Entwicklung: Freud und Erikson

  • Triebe als Motor der Entwicklung und die Bedeutung des Unbewussten
  • ES, ICH, ÜBER-ICH, erogene Zonen, Abwehrmechanismen und Phasen der Entwicklung – Erkenntnisse der Psychoanalyse und des Entwicklungsmodells von S. Freud für die Erziehung und den Umgang mit kindlichem Verhalten
  • Der Einfluss sozialer Erfahrungen und zentrale Krisen in verschiedenen Lebensabschnitten (Erikson)
  • pädagogische Konsequenzen aus beiden Modellen ziehen und die Tragkraft bewerten

Thema 4

Bin ich oder werde ich gemacht“ – Eine pädagogische Sicht auf interaktionistische Sozialisationsmodelle: Mead und Krappmann

  • Bedeutung von Rollen für das Leben in der Gesellschaft
  • Werden diese Rollen übernommen oder individuell gestaltet? Vergleich der verschiedenen Modelle
  • Wie ist der Stellenwert der individuellen Freiheit und Unabhängigkeit wenn Rollen so bedeutungsvoll für die Gesellschaft sind?

Thema 5:

Erziehung überflüssig? – Schwerstarbeit Erwachsenwerden“ – Entwicklungsaufgaben der Lebensphase Jugend nach Hurrelmann

  • Was genau ist eigentlich „Jugend“? Und welche Aufgaben muss man individuell bewältigen um wirklich „erwachsen“ zu werden?
  • Ansprüche von Eltern, Gesellschaft, Freunden und individuellen Bedürfnissen
  • pädagogisch sinnvolle Konsequenzen aus den theoretischen Erkenntnissen ziehen

Thema 6

Ich schlage, also bin ich“ – Pädagogische Prä- und Interventionsmöglichkeiten bei gewalttätigem Verhalten auf der Grundlage unterschiedlicher Erklärungsansätze

  • Warum werden Jugendliche gewalttätig?
  • Was ist überhaupt genau „Gewalt“? Klärung eines nur scheinbar eindeutigen Begriffes
  • Unterschiedliche Erklärungsansätze für Gewaltbereitschaft werden erarbeitet und bewertet (biologische, Medien, Modell, sozialwissenschaftlich orientierte…)
  • Untersuchung verschiedener Fallbeispiele (school-shootings, jugendliche Straftäter…) Welche Funktion erfüllt Gewalt für diese Jugendlichen? Wie kam es dazu? Welche pädagogischen Möglichkeiten bestehen, dem entgegenzuwirken?

Qualifikationsphase 2:

Thema 1

Hart wie Kruppstahl“ – Erziehung im Nationalsozialismus

  • Welche Erziehungsziele wurden im Nationalsozialismus verfolgt? Auseinandersetzung mit historischen Texten
  • Wie wurde praktisch versucht diese umzusetzen? Beispiele aus HJ, BDM, Schule
  • Warum waren Menschen bereit dabei mitzumachen? Geschichtlicher Hintergrund
  • Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die pädagogische Arbeit? – Stärkung von Autonomie, Selbstständigkeit und kritischer Auseinandersetzung als pädagogische Kernaufgaben

Thema 2

Hilf mir, es selbst zu tun“ – Die Pädagogik Maria Montessoris

  • Kann das wirklich funktionieren?“ – ein reformpädagogisches Modell und die Vorurteile dagegen
  • Selbstständiges und eigengesteuertes Lernen – die Grundannahmen und die Praxis (Materialien, Praxis in den Institutionen)

Thema 3

Schule in der Bundesrepublik Deutschland – Erziehungsziele und -praxis

  • Aufbau des Schulsystems und grundlegende Ziele schulischer Arbeitsergebnisse
  • Funktionen von Schule (aus Sicht der Gesellschaft und des Individuums)
  • Schule als Ort des Demokratielernens
  • kritische Auseinandersetzung mit eigenen schulischen Erfahrungen – Werden diese Ziele angemessen verfolgt?
  • Schule im internationalen Vergleich: PISA und bildungpolitischen Konsequenzen
  • Weiterentwicklung der Schule: (auch) kritische Auseinandersetzung mit Konsequenzen aus PISA, demografischer Entwicklung und Inklusion

Thema 4

Alles gleich gültig?“ – Interkulturalität als Herausforderung

  • Auseinandersetzung mit der Geschichte der interkulturellen Bildung in Deutschland, von der Ausländerpädagogik zur interkulturellen Bildung
  • Identität und Integration
  • Ziele und Perspektiven
  • Konfliktquelle oder Chance?
  • sinnvoller pädagogischer Umgang mit kulturbedingten Konflikten
  • aktuelle Entwicklungen

Thema 5

Lehrer, Erzieher, Sozialpädagogen, Geragogen, Heil-, Medien-, Museums-, Freizeitpädagogen… – Pädagogische Berufe

  • Vielfalt und Wandelbarkeit im pädagogischen Handlungsfeld (speziell Bereiche, die aufgrund aktueller Entwicklungen an Bedeutung gewinnen)
  • Unterscheidung von professionellem und nicht-professionellem pädagogischen Handeln
  • Chancen und Grenzen pädagogischer Einwirkung im institutionellen Rahmen

Danach bleibt hoffentlich noch Zeit für eine abschließende Wiederholung und Vernetzung der verschiedenen Themen, um dann gut vorbereitet ins Abitur zu gehen… (Keine Angst: Das verteilt sich alles auf drei Jahre…;-))